Salontischchen
zugeschrieben
Potsdam, um 1765
und Amaranth furniert,
feine florale kolorierte Marketerie,
verschiedene Edelhölzer, Buchsbaum und Ahorn
Maße: 66cm x 40cm x 31cm
Die Gebrüder Spindler zu Bayreuth (dann Potsdam) gehören mit den Roentgens aus Neuwied zu den bedeutendsten Möbelkünstlern ihrer Epoche. Als Friedrich II. das Neue Palais erbauen ließ (mehr als 400 Zimmer), benötigte er zu den bisher beschäftigten weitere Kunsttischler. So begann in Potsdam die "Zeit der Bayreuther". Die Stiefbrüder Spindler entstammten einer Familie von Schreinern und Kunsttischlern aus Bayreuth. Der ältere, Johann Friedrich, führte noch vor seiner Umsiedlung für eine Tochter der 1758 verstorbenen Markgräfin in Bayreuth, Wilhelmine Friederike Sophie, einer Schwester Friedrichs des Großen, einen großen Auftrag aus: Eine komplette Raumvertäfelung in Marketerie, mit Landschaften und Schäferszenen für das Schloss Fantaisie zu Donndorf bei Bayreuth. Heute ist sie im Besitz des Bayrischen Nationalmuseums in München.
Für das Neue Palais in Potsdam sind dreizehn Möbel belegt, es waren aber mehr. Die Auftragsvergabe orientierte sich weniger am Einzelstück als vielmehr pauschal an ganzen Apartments.
Um 1768 entstanden zwei Marketerie-Vertäfelungen für die Wohnung des Prinzen Heinrich, an denen beide Brüder arbeiteten, die ja beide ihre eigene Werksatt betrieben. Sie waren auch für die Ausstattung der zum Garten hin gelegenen Gesellschaftsräume zuständig sowie für die Gästezimmer zum Ehrenhof hin.
Johann Friedrich schuf unter anderem für zwei Apartments der "Unteren Roten Kammern" je einen Schreibtisch und eine Kommode. Der Schreibtisch war "von roth
Rosenholz furniert, auf dem Blatt in der mittleren Füllung Architektur Perspective [...] alles stückweise eingelegt und nichts graviert, auch sogar an den daran befindlichen Figuren die Gesichter eingelegt, dann die beiden Nebenfüllungen mit Blumen und Landschaften, woran 2 Schubkasten die von selbst aufgehen". Die Einlegearbeiten sind mit denen von Schloss Fantaisie verwandt.
Es war nicht unüblich im Schlafzimmer einen Schreibtisch zu haben. Wenn die aufwendigere Lösung eines eigenen Schreibkabinetts nicht gewählt wurde, war das Schlafzimmer der Raum, in den man sich recht ungestört zurückziehen konnte, unter anderem um Korrespondenz zu erledigen.
Der jüngere Bruder, Heinrich Wilhelm Spindler d. J. schuf unter anderem Ebenholzkabinette (um 1767) für das untere Fürstenquartier sowie 1767 eine "Urnen"- Kommode in einen von niederländischer Möbelkunst beeinflussten Marketerie, die auch historische Bezüge in Form von Zitaten aus dem Motivschatz des Manierismus aufweist. Es ist heute nicht mehr genau nachzuvollziehen, wer die Entwürfe für die Möbel gefertigt hat. Neben den Ebenisten waren auch Entwerfer tätig (etwa die Brüder Hoppenhaupt, Johann Christian (d. J., 1719-1778) und Johann Michael (1685-1751). Johann Christian Hoppenhaupt tendierte aber zur Üppigkeit, so dass man in diesem feinen Möbel die sachlichere Hand des Kunstschreiners sehen will. Die Entwürfe des älteren Hoppenhaupt (z. g. T. publiziert 1750) waren teilweise auch "unordentlich", etwas unorganisch, was der raffinierten gebrochenen Symmetrie in diesem Möbel keinesfalls entspricht.
Spindler-Möbel aus der Potsdamer Zeit sind sehr selten auf dem Markt. Dieses Salontischchen, das auch ein Behältnismöbel darstellt, stellt einen Höhepunkt des "naturalistischen" Rokoko unter Friedrich dem Großen dar.
Die Gesamtform ist exquisit, besonders elegant durch die Schwünge, und erforderte Präsizionsarbeit wegen des exakt passenden Klappdeckels auf dem Utensilien- Kompartment. Das Blumendekor ist, trotz der inneren Dichte und Geschlossenheit in der Durchkomponiertheit, gleichsam naturalistisch gestaltet und weit entfernt etwa von den der Form folgenden Dekors, die man zur gleichen Zeit im Porzellan antrifft. Tischchen wie diese wurden als temporäre Ablagen benutzt, etwa beim Lesen. Bücher etwa konnten bequem im Kompartment untergebracht werden.
Dieses Möbel ist kein Repräsentationsstück im üblichen Sinne, sondern erhält seine Bedeutung gerade dadurch, dass es ein vergleichsweise "intimes", privates Möbel verkörpert, das dem persönlichen Geschmack des Auftraggebers entspricht und bis heute nichts von seinem Charme verloren hat.
Literatur:
Afra Schick: Johann Friedrich und Heinrich Wilhelm Spindler. Die Möbelaufträge Friedrich des Großen für das Neue Palais. Auf: Perspectivia.net. Publikationsforum für die Geisteswissenschaften. Friedrich 300. Colloquien. http://www.perspectivia.net/ content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-hof/Schick_Spindler)
Zu Schloss Fantaisie:
August Gebeßler: Stadt und Landkreis Bayreuth. Die Kunstdenkmäler von Bayern, Kurzinventare, VI.Band, München 1959
Kai Kellermann: Herrschaftliche Gärten in der Fränkischen Schweiz - Eine Spurensuche. Erlangen und Jena 2008 http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/objekte/bay_fant.htm
Übersicht Möbel
Kommode Kamingarnitur Table de Salon Kommode Demi-Lune-Kommode Table en chiffonnière Damen-Voyeuse Pagenbank Louis XV Encrier Rokoko-Spiegelpaar Table en chiffonnière Rokoko-Konsole Secrétaire Louis XV Kaminuhr Paar Appliken Bureau Plat – Schreibtisch Kommode Louis XV – Pierre Rousselle Tric-Trac Spieltisch ? Louis XV Coiffeuse en forme de cœur – Frisierkomode Serie von vier Fauteuils – Louis XV Sessel Kommode Louis XV Tabouret Table Bouillotte et son Bouchon – Louis XVI Salontisch Schreibsekretär Paar Fauteuils – Sesselpaar Paar Bergèren Paar Sessel Bonheur du Jour - Damensekret Paar Konsolen



